Das neue Doppelalbum „I Love Myself and Want to Live“
Schlaflos in Vienna: David Ring stellt
Kurt Cobain vom Kopf auf die Füße
In die radikale, oftmals kuriose Welt von David Ring einzutauchen, birgt Überraschungen. Mit einem originellen Sound und klassenbewussten Texten reiht er sich in die Tradition des Protestsongs, der Agitprop und der Liedermacher ein – in erster Linie, um sich Luft zu verschaffen.
Ring wurde in früher Jugend von Punkrock politisiert. Sein zweites Rock-Album „I Love Myself and Want to Live“ will dieser Herkunft gerecht werden, ohne die Ikonen von einst zu idealisieren oder zu verteufeln.
In 27 englischsprachigen Songs rechnet Ring liebevoll mit dem Nirvana-Frontmann Kurt Cobain ab, indem er die Dinge anders angeht und anspricht. Der Albumtitel verkehrt die (mehr oder weniger scherzhafte) Verlautbarung von Cobain, er hasse sich selbst und wolle sterben („I Hate Myself and Want to Die“), ins Gegenteil. Ring will Cobain vom Kopf auf die Füße stellen, weil er dessen Probleme durchaus nachvollziehen könne: „Kurts Depressionen und chronische Schmerzen, seine Feinfühligkeit, die Flucht in fremde Sphären und das unbändige Gefühl, nicht in diese Welt zu passen – abgewandelt kenne ich das alles aus meinem Leben. In der Regel ziehe ich aber andere Schlüsse daraus.“
So muss der Selbsthass der Systemkritik weichen, statt „No Future“ gibt es revolutionären Zweckoptimismus und anstelle der widersprüchlichen Allüren eines US-Rockstars hört man bodenständige Ansagen eines IT-Arbeiters aus Wien, der älter ist, als es Cobain leider je wurde.
Es gibt jedoch auch Gemeinsamkeiten, zum Beispiel musikalisch:
Mal präsentiert sich das Album als wütender Punk, mal eher als zärtlicher Indie-Pop – als roter Faden zieht sich aber doch ein frecher Alternative Rock mit eingängigen Melodien hindurch. Verzerrte oder psychedelische Gitarren sowie der rohe, oft zweistimmige Gesang von Ring runden die abwechslungsreiche Mischung ab.
Auch in den Texten ist Cobain präsent, etwa wenn Ring sie mit zweideutiger Metaphorik unterfüttert und seinen Hörern lyrische Rätsel aufgibt. Jedenfalls tummeln sich darin allerlei Horrorgestalten: Hungrige Haifische, Vampire und Clowns, die Festung Europa, nervige Fliegen, übergriffige Influencer, hartnäckige Computerfehler sowie die tiefe Dunkelheit. Zwischen den düsteren Bildern finden sich jedoch auch immer wieder Liebe, Hoffnung, Lob und Groove. Die Botschaft: Es gibt viele Anständige, Lässige, Aufmüpfige, Witzige und Vernünftige auf dieser Welt – und nicht zuletzt sollte man auch sich selbst lieben.
An vielen Stellen kreidet Ring schädliche Selbstverständlichkeiten an und provoziert dabei unweigerlich: Wenn er die Demokratie als widersinnigen Traum obszöner Regime kritisiert und mit dem Gedanken spielt, das Rathaus anzuzünden, darf der brave Bürger schockiert oder besorgt sein. Wenn er sich in China in eine Schauspielerin verliebt, obwohl ihn Europa gefangen hält, darf das aufmerksame Publikum verwirrt sein. Vorschnell abstempeln sollte man ihn allerdings nicht, denn in vielen Zeilen verbirgt sich weit mehr, als auf den ersten Blick offenbar wird.
Trotz bester Vorsätze, weniger selbstzerstörerisch als Cobain zu leben, habe er zahlreiche Nächte schlaflos zugebracht, um seine Songideen zu verwirklichen, erzählt Ring. Das sei nicht zu empfehlen. Er weiß aber zu erklären, warum er sich die Arbeit antut: „Auch wenn ich als kleiner Fisch in einem Haifischbecken nicht viel ausrichten kann, lohnt es sich dennoch weiterzumachen, um auch nur einen unzufriedenen und verwirrten Jugendlichen aufzufangen – und aufzuwiegeln.“
Mag also sein, dass er sich zunächst Luft verschaffen möchte. Gehör und Verständnis will Ring aber offenbar auch finden.
Kurt, schau herunter!
Ab 13.12.2026 hier erhältlich:
subvert.fm/david-ring
davidring.bandcamp.com

If all roads lead to Rome
How will I ever get home
I seek folks with a healthy mind
Fierce, informed and kind
Let me remind you
Right behind you
We will find you
Forever bind you
There’s beautiful people
Then there’s you
I just wish you forgot
One of your shoes
This city doesn’t mind
At all, at all
This plane is on time
For all, for all
Here’s a hot take, an educated guess
Bet you wish you were a son of a bitch
A pro in chess can’t ever bless a mess
Instead of hugs, all you got was rich
So you think you’ve got the power
One day your captives will find love
They’ll surprise you in the shower
And cut their rapist’s member off
Cut my heart out with a butter knife
Yes I do, now we’re husband and wife
Travel to Greece for our honeymoon
Hades, I’m told, is beautiful in June
Shaped by strange folks and a cursed past
You’re old but sturdy, you’re built to last
Like a story told again and again and again
Edifices like Stonehenge or Big Ben
God forbid
Hearts don’t break
God forbid
They stop beating
Mary had a little lamp
To read when it was dark
Mary had a little amp
To play chords in the park
It’s getting dark outside
You forgot to bring light
Thought we will shine for you
Well, today that might be true
In Katajanokka we’re off my rocker
In Budapest they look so depressed
In Rhineland I’m a swine and
In Ljubljana she feels his drama
Dying for a cause, but which one
Forefathers survived their wars
I know you know they haven’t won
But who’s around comparing scores
Are we the baddies or the goodies
Pleasant comrades or tiring bullies
Behind us a few hardships and toils
Inbefore to the victor the spoils
Trust in the plan
To build the world anew
Power to the people
Does include you
Our mania will be their demise
Our parties will quite suffice
We don’t bother to ask for permission
To break out, to break out of the prison
And finally once the last
Gazan family has died
No one will evermore ask
If might makes right
So mean, so obscene
Look up from your little screen
Who cares, who shares
These are my petty affairs
They said all is fair in love
And war, that’s what I fear
Some can’t ever get enough
And an enemy is always near
The new ayatollah
Drinks Coca Cola
Another joke bomb
In their sitcom
So I blow up their tombs
And I kill the vampires
They crumble, they fall
Just like other empires




David Ring
Musiker
pop music is pathos is pathetic
Diese nicht ganz ernst gemeinte Gleichung habe ich mir vor einigen Jahren ausgedacht. So wirklich auf mich zutreffen sollte sie erst, seit ich im April 2024 die zweite E-Gitarre meines Lebens kaufte und begann, zu meiner Musik zu singen. Es ist nämlich wirklich schwierig, persönliche oder gar politische Inhalte in die Form von Popmusik zu gießen, ohne sich dabei lächerlich oder kitschig anzuhören.
Aber die Zeiten des experimentellen Herumklimperns und Herumschepperns sind weitgehend vorbei. Mit der Gitarre und in ‚Renoise‘, meinem Computerprogramm der Wahl, habe ich mir einen methodischen Workflow erarbeitet, um die Regeln mal gezielt zu befolgen, mal unverschämt zu brechen. Dabei sind Melodien und Harmonien seit jeher meine Herzensangelegenheit, doch erwische ich mich auch immer wieder beim Versuch, knackige Rhythmen zu entwerfen. Das Ergebnis ist Alternative Rock, dem man gewisse Einflüsse – von den Beatles über die Pixies bis zu MGMT – sicherlich manchmal anhört, der aber auch einen ganz eigenen Sound mitbringt. Wenn dann das Piano klimpert und der Bass scheppert, bin ich happy.
being both precise and concise is hard
Textlich ist es mir wichtig, stets von einer authentischen Gefühlsregung oder einer klaren politischen Botschaft auszugehen, um sie letztlich originell und unterhaltsam auf den Punkt zu bringen. Wer in meinen Reimen Vorbilder wie Rio Reiser, Georg Kreisler oder Kae Tempest erkennen mag, soll sich dabei von mir nicht aufhalten lassen. Natürlich darf übrigens ab und zu auch der Pathos durchklingen – und zwar dann am liebsten gleich so richtig.
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